CO2-Kompensation ist was für Schummler

Zugegeben – Kompensation als Schummeln zu bezeichnen ist gewagt, aber leider dicht an der Wahrheit. Für ein Unternehmen, das nach mehr Nachhaltigkeit strebt, gehört es heute schon fast zum guten Ton sein CO2 zu kompensieren, schließlich will man zum gemeinschaftlichen Koalitionsvertrags-Ziel der Dekarbonisierung beitragen. Und dabei werden auch die Verbraucher in die Pflicht genommen: bei Flugreisen oder sogar schon an Tankstellen können sie gegen einen Obolus die anfallenden Emissionen ausgleichen. Doch wäre das nicht eigentlich Aufgabe der Unternehmen? Und kann man CO2 wirklich so einfach kompensieren und mit gutem Gewissen weiterarbeiten?  

CO2-Kompensation als Schummelkarte

Aus der Not der zu hohen CO2 Emissionen ist schon längst ein Business entstanden, nämlich Unternehmen, die ganz einfach das CO2 kompensieren, das andere verursachen. Im Grunde ist es einfach – CO2-Ausstoß des Unternehmens berechnen, Kompensation beauftragen und mit gutem Gewissen weiterarbeiten. Im besten Fall sogar die Verbraucher bewusst draufzahlen lassen, um das Image aufzupolieren.

Doch so leicht ist es leider nicht, denn CO2-Kompensation ist nicht das Ass im Ärmel, es ist eigentlich nur eine Schummelkarte, mit der sich viele Unternehmen versuchen der Verantwortung zu entziehen, ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Der Handelsblatt Green Podcast hat es gut auf den Punkt gebracht: die meisten CO2-Kompensationen sind zu undurchsichtig und kurzfristig geplant.  Mehr Schein als Sein beherrscht den Markt, aber wer hat schon Zeit, sich damit ausgiebig zu beschäftigen?

CO2 reduzieren anstatt kompensieren

Um zur Dekarbonisierung zu kommen, können wir eigentlich nur selbst Hand anlegen. Der Energieverbrauch muss heruntergeschraubt, Verpackungen reduziert und recycelbar entwickelt, Unternehmen nachhaltiger aufgestellt werden. Ökostrom, die Nutzung der Abwärme von Rechenzentren oder reduzierte Retourenquoten sind dabei nur kleine Bausteine in einer langfristig angelegten Green Transformation.

Am Ende bringt es nichts, den Verbraucher das CO2 kompensieren zu lassen, sondern das Produkt und das Unternehmen selbst müssen CO2-neutral werden, ansonsten bewegt man sich zu schnell im Bereich des Greenwashings.

Speziell im Online-Business haben wir die Werkzeuge schon in der Hand. Denn was bisher beim Programmieren und SEO-Marketing Pflicht war, wird auf einmal zur Tugend: Schlanke und schnelle Seiten und wenig Code brauchen weniger Rechenleistung und machen eine Website ein kleines bisschen nachhaltiger. Und das ist nur ein kleiner Ansatzpunkt von vielen.

Regionale Kompensation für mehr Kontrolle

Nicht immer kann man den CO2 Ausstoß so schnell und stark reduzieren, dass ein Unternehmen die Klimaneutralität erreicht. Wer daher nicht auf CO2 Kompensation verzichten kann, der sollte sich selbst ein Bild von Kompensationsprojekten machen und lieber regionale Projekte unterstützen, die langfristig angelegt sind. Das Renaturieren von heimischen Mooren kann z.B. wesentlich mehr CO2 binden als ein neu gepflanzter Baum auf Madagaskar. Manchmal liegt Gutes doch so nah!


Quellen:

Koalitionsvertrag 2021, Zeile 711 unter: https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/gesetzesvorhaben/koalitionsvertrag-2021-1990800 (abgerufen am 05.01.2022)

Handelsblatt Green Podcast Folge „CO2 Kompensation“ unter: https://www.handelsblatt.com/audio/green-podcast/handelsblatt-green-co2-kompensation-greenwashing-oder-gut-fuers-klima/27859690.html (abgerufen am 04.01.2022)

Titelbild: Markus Spiske auf Unsplash

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar